Dies ist die Xavier-Hall in Bangkok, eine katholische Kirche, die wohl schönste der Stadt. Sie liegt in der Nähe des Victory Monuments, an dem heute eine Station des Bangkoker Skytrain liegt.
Die Kirche wurde in den 70er Jahren mit der Unterstützung der deutschen katholischen Bischofskonferenz gebaut. Die katholische Gemeinde, die hierher kommt, ist aus der Arbeit der Jesuiten unter thailändischen Studenten entstanden. Einige dieser Jesuiten kommen aus Österreich, und das ist einer der Gründe dafür, dass hier über lange Jahre deutschsprachige Gottesdienste angeboten wurden. Als ich 1983 nach Bangkok kam, fanden hier die Gottesdienste der evangelischen Gemeinde statt. Auch Katholiken kamen, da es damals noch keine ständige deutschsporachige katholische Gemeinde in Thailand gab. Die Xavier-Hall mit ihrem sehr thailändisch-buddhistisch geschwungenen Dach beherbergte eine große, sehr lebendige und sehr locker miteinander verbundene ökumenische Gemeinschaft. Auch in anderer Hinsicht war man in der Kirche mitten im Leben. Bei den Gottesdiensten waren die Faltwände der Kirche offen. So konnte eine kühlende Brise ebenso wie der eine oder andere Spatz von außen hereinkommen und der Blick von drinnen nach draußen wandern. Man wusste nie, wie viele Leute an einem Sonntag kommen würden, zumal bei Regen und in Urlaubszeiten waren es eher wenige. Aber das machte nichts.
Das Leben der Gemeinde war sehr lebendig, aber auch sehr flüchtig. Die durchschnittliche "Verweildauer" eines Gemeindeglieds betrug etwa drei Jahre. Und da die gerade anwesenden Gemeindeglieder entscheidend dafür waren, was in der Gemeinde passierte, war immer unsicher, wie es wohl weitergehen würde. Nach sieben Jahren fand ich diese vergängliche Lebendigkeit doch arg anstrengend und bin gerne nach Deutschland zurückgekehrt. Allerdings: Dort habe ich diese Art von kirchlichem Leben sofort vermisst. Die deutsche Kirche kam mir vor wie eine große und im Prinzip auf Ewigkeit angelegte Fabrik der Glaubeliebehoffnungsproduktion, in der unsereiner als Facharbeiter beschäftigt war.
Seit Bangkok war "Kirche" für mich noch spannender - und spannungsvoller - als schon vorher. Ein wenig mehr von dieser Spannung findet sich in den folgenden Rubriken.
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