Studenten und Politik in Birma - Sommersemster 2004
Anmerkung: Der folgende Text entstand zu Halbzeit des Seminars. Die Literaturangaben geben wieder, was für das Seminar zugänglich war. - Zur Illustration des Studentenstreiks von 1936 kann ein Text in der Zeitung der Studentenorganisation „Oway“ (Stimme des Pfaus) sowie ein Bild dienen, das Aung San (der in der dunklen Jacke) im Kreis der Redaktion der Zeitung zeigt. Der Artikel war ein Anlass des Streiks und der Ausgangspunkt für die Übung.
Bemerkungen zum Sinn der Übung und zu den Texten, die noch gelesen werden können
1 Sinn
Zum Wiedereinstieg nach Pfingsten und vor Beginn der zweiten Hälfte der Übung einige Bemerkungen zu Sinn und Zweck dieser Übung.
Sie soll dazu dienen, neben dem Erwerb von Kenntnissen über die Rolle der Studenten für die Politik Birmas/Myanmars den Blick für das methodische Herangehen an ein Thema schärfen. Die zuletzt bearbeiteten Texte von Pye, Htin Aung, Butwell und Maung Maung lassen sich vergleichen mit Blicken auf das Thema durch Kameras mit unterschiedlicher Zoomeinstellung, die auch noch von verschiedenen Fotografen bedient werden.
a) Pye blickte gewissermaßen aus der Vogelperspektive auf das Geschehen und konzentrierte sich auf die spätere Beurteilung des Geschehens durch birmanische Fachleute für Verwaltung und Politiker. Sein Fazit: Der Streik war „an sich“ eine unreife Sache. Eine Unabhängigkeit, die auf ein derartiges Ereignis aufbaute, musste im Dilemma zwischen Emotion und Rationalität stecken bleiben.
b) Htin Aung betrachtet (ebenso wie in anderer Weise Dr. Ba Maw) der Streik im Zusammenhang der politischen Ereignisse ab 1930. Er zeichnet die Studentenbewegung(en) in Birma im Kontext der Entwicklung anderer „Mitspieler“ der zeitgenössischen birmanischer Politik nach. Hier war der Streik ein wesentliches Ereignis für den Eintritt einer jungen Generation ins Politikerleben. Die Universität als Ort des politischen Protests war so etwas wie die Schule der zukünftigen nationalen Führungselite.
c) Die beiden letzten Texte sowie der von Aye Kyaw wiederum ermöglichen eine Nahaufnahme der Ereignisse, bei der die größeren Zusammenhänge weitgehend ausgeblendet sind. Wir sehen hier, dass Einzelheiten un lar bzw. noch nicht erforscht sind und bekommen Material, mit dem sich Annahmen über die Frage nach der Rolle der Studenten in der Politik Birmas überprüfen lassen.
Wichtig: Alle drei „Zooms“ (und auch noch weitere) sind berechtigt und ergänzen sich: Pyes Einschätzung lässt fragen, ob die Rolle der Studenten in Birmas Politik nicht ein Faktor (unter anderen!) dafür sein könnte, dass das Land bisher noch keine konsensfähige Regierungsform gefunden hat. Htin Aungs Darstellung weist auf die innere Dynamik der Entwicklung der birmanischen Unabhängigkeitsbewegungen zwischen 1920 und 1941 hin. Die Darstellunge3n im Detail schließlich geben uns einen Einblick in das, was wirklich passiert sein könnte und liefern den Stoff dafür, dem Geschehenen diesen oder jenen „Sinn“ zu geben.
2 Materialien
a) Streik von 1920: Rede eines Studentenführers im Vergleich zu den damals gestellten Forderungen.
b) 1936: Es gibt noch den Text der Stellungnahme der Studenten zur Arbeit der Untersuchungskommission.
c) 1938: Bericht der Untersuchungskommission zum „Vorfall am Sekretariat“, bei dem Studenten während eines Boykotts des Regierungsgebäudes von der Polizei verprügelt wurden.
d) 1952: Rede des Ministerpräsidenten Nu zur Rolle der Studenten im Lande.
e) 1988: Biographie des Studentenführers Min Ko Naing
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Literatur:
Aung San (1937), “Students' Duty”, in: The Writings of General Aung San. Compiled by Mya Han. Original Myanmar Text Translated into English by Retired Ambassador Thet Tun. Yangon, Universities Historical Research Centre. O.J.: 47-49.
Aung San (1943), “Autobiography of General Aung San”, in: The Writings of General Aung San. Compiled by Mya Han. Original Myanmar Text Translated into English by Retired Ambassador Thet Tun. Yangon, Universities Historical Research Centre. O.J.: 74-83.
Aung San (1946), Burma's Challenge.
Aye Kyaw (1963), A History of the Students‘ Movement in Burma 1920-1940. M.A. Thesis submitted to the Faculty of Arts, University of Rangoon.
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Butwell, Richard (1963), U Nu of Burma. Stanford, California, Stanford University Press.
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Cady, John F. (1981), „Our Burmese Experience of 1935-1938“, in: Contributions to Asian Studies. Volume 16: Essays on Burma. Ed. by John P. Ferguson. Leiden, E.J.Brill: 131-165.
Clymer, Megan (2003), “Min Ko Naing, 'Conquerer of Kings': Burma's Student Prisoner”, in: The Journal of Burma Studies 8: 33-63.
Htin Aung (1967), A History of Burma. New York, London, Columbia University Press.
(Dr.) Maung Maung (1969), Burma and General Ne Win. Rangun, Religious Affairs Dept. Press.
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Silverstein, Josef (1970), “Burmese and Malaysian Student Politics: A Preliminary Comparative Inquiry”, in: Journal of Southeast Asian Studies März 1970: 3-22.
Silverstein, Josef (1972), The Political Legacy of Aung San. With an Introductory Essay by Josef Silverstein. (Data Paper: Number 80) Ithaca, New York: Cornell University Southeast Asia Program.